Thema: Giralgeldschöpfung

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  1. Giralgeldschöpfung # 1
    Divad
    Divad ist offline

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    1
    seit
    13.10.2019
    Hallo,

    ich bin auf einen Artikel gestoßen, der aussagt, dass entgegen meiner Annahme Banken durch die Vergabe der Kredite Geld schöpfen.

    Diese sogenannte Giralgeldschöpfung warf sofort eine Frage auf:
    Wieso vergeben Banken nicht exzessiv Kredite, wenn sie neben einer geringen Mindestreserve kein Risiko eingehen?
    Da das Geld ja sowieso "geschaffen" wurde, bedeutet ein fauler Kredit ja auch keinen Verlust für die Bank.

    Dieser Gedankengang kann offensichtlicherweise nicht der Realität entsprechen.
    Was hindert also Banken daran nicht derartig destruktiv zu handeln?

    Danke im Voraus!

  2. AW: Giralgeldschöpfung # 2
    Cici
    Cici ist offline

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    seit
    01.11.2013
    Zitat Zitat von Divad
    Wieso vergeben Banken nicht exzessiv Kredite, wenn sie neben einer geringen Mindestreserve kein Risiko eingehen?
    Da das Geld ja sowieso "geschaffen" wurde, bedeutet ein fauler Kredit ja auch keinen Verlust für die Bank.
    Das stimmt so nicht. Für die Bank ist ein Kredit nur dann mehr oder weniger risikolos, wenn alle Kunden, die einen Kredit bei der Bank aufgenommen haben, ihr Geld auch nur auf den Konten dieser Bank halten. Wichtig ist in dem Zusammenhang der Begriff des Zentralbankgeldes, das ist nämlich das Geld, mit dem sich Banken untereinander bezahlen. Ihr selbst geschöpftes Giralgeld ist für eine andere Bank wertlos.

    Nimmt ein Kunde bei Bank A bspw. einen Kredit in Höhe von 1000 Euro auf, überweist das Geld dann von Bank A nach Bank B, so muss Bank A 1000 Euro in Form von Zentralbankgeld an Bank B zahlen (über Konten, die bei der Zentralbank gehalten werden, daher auch der Name). Bank B akzeptiert insbesondere das neu geschöpfte Giralgeld von Bank A nicht.

    Hält Bank A nun nicht genug Eigenkapital in Form von Zentralbankgeld vor, so bekommt sie u.U. früher oder später ein Problem, wenn zu viele Kunden ihr Geld abziehen. Bargeld ist übrigens auch Zentralbankgeld, d.h. auch bei einer Barabhebung geht der Bank Zentralbankgeld verloren. Bank A muss also sorgfältig kalkulieren, ob eine weitere Vergabe von Krediten bei der aktuellen Zirkulation von Kundengeldern die Bank ggf. in existenzielle Probleme bringen könnte. Ist das Eigenkapital aufgebraucht, ist die Bank im Grunde pleite.

    Da Banken mittlerweile recht dünne Eigenkapitalquoten haben, oft nur im einstelligen Prozentbereich, bedeutet eine erhöhte Kreditvergabe auch immer ein erhöhtes Risiko. Auch die Maßnahmen der EZB, die auf die Stärkung des Eigenkapitals der Banken abzielten, haben offensichtlich nicht so gewirkt, wie man sich das vergestellt hat. Die Kreditvergabe (insbesondere direkt in der Wirtschaft) stockt im Euroraum noch immer. In Bankenkrisen sieht man dann immer wieder, wie Kapitalverkehrskontrollen oder Auszahlungsbeschränkungen eingeführt werden, eben damit nicht so viel Geld von den Banken abfließt, dass dies zur Pleite führen würde.

  3. AW: Giralgeldschöpfung # 3
    AlexanderM
    AlexanderM ist offline

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    2
    seit
    12.12.2019
    Aufbauend auf die vorhergehenden Erläuterungen müssen folgende Eckpunkte richtig gestellt werden. Zentralbankgeld, Eigenkapital und Kundengelder sind unterschiedliche Begrifflichkeiten.
    Begonnen mit dem Eigenkapital so sind dies je nach Rechtsform der Bank zum Beispiel der Nennbetrag der ausgegebenen Aktien oder Genossenschaftsanteile. Dies kann durch Rücklagen und Gewinne ergänzt werden sowie spezielle Kreditformen, siehe hierzu Mezzaninkapital.
    Zentralbankgeld sind Gelder im Kreislauf fließend zwischen Geschäftsbanken und Zentralbanken. Der Begriff welcher hier wohl eher gemeint ist sind Mindestreserven. Diese müssen von Banken auf Zentralbankkonten vorgehalten werden um gestellte Liquiditätsanforderungen zu erfüllen.
    Kundengelder sind von Kunden an Banken geliehende Darlehen, sprich Guthaben auf Giro-, Tages- Festgeld- und Sparkonten. Diese können zu den Mindestreserven zählen.

    Die Geldschöpfung findet ausschließlich bzw. primär ausgehend von den Notenbanken aus statt. Eine Bank selbst kann primär kein Geld schöpfen.
    Dieser Prozess funktioniert vereinfacht dargestellt wie folgt. Die Notenbank stellt über ihre Offenmarktgeschäfte Kredite für Banken zur Verfügung. Diese müssen bei Annahme dieser Sicherheiten in Form von Staatsanleihen bei der Notenbank hinterlegen. Die erhaltene Kreditsumme ermöglicht es der Bank wiederrum ausgegebene Kredite zu refinanzieren, sprich Geld zu schöpfen und in den Wirtschaftskreislauf zu geben.
    Für die Kreditvergabe müssen je nach Risiko die Banken wiederrum entsprechendes freies Eigenkapital vorweisen. Sollte nun das Risiko innerhalb des Kreditportfolios steigen, sprich die Ausfallrate, so sind entsprechende Abschreibungen welche das Eigenkapital belastne vorzunehmen. Hierdurch ist die Kreditvergabe durch das Eigenkapital gedeckelt.

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