Banale aber wichtige Frage die bisher keiner beantworten konnte

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  1. Avatar von schmitti
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    Frage Banale aber wichtige Frage die bisher keiner beantworten konnte

    Hallo Forum ! Ich habe eine eigentlich ganz grundlegend und existenzielle Frage, die mir bisher keiner beantworten konnte, obwohl sie doch von zentraler Bedeutung ist.

    Wie wird die tatsächliche Existenz von Giralguthaben nachgewiesen?

    Wenn also ich was von der Sparkasse xy (Kommunaler Eigner) zur Credit Suisse (Geschäftsbank im EU-Ausland) überweise. Wie findet das statt. Wie kann die UBS glaubhaft versichern, dass sie „echtes“ Geld hat. Gibt es da ein „Verifikationskonto“ bei der EZB wo das dann nachgeführt wird, also der Euro mit der eindeutigen Identifikationsummer „jJD843XEAsD9r2“ als GUID befindet sich nun bei der Credit Suisse.

    Ich meine es muss ja irgendeinen Beleg und Mechanismus dafür geben, dass das Geld bei Bank X echt ist. Sonst kann ja jede Bank behaupten "Wir habe dreihundert Fantastilliarden Euro" oder eben nö wir haben gar kein Geld. „Sie irren sich, dass was sie auf Ihrem Onlinebankingbildschirm sehen, dass gibt es gar nicht“.

    Hier geht es mir nicht um den digitalen Euro oder Rückverfolgbarkeit, sondern der ganz banale Nachweis, der Existenz von Guthaben. Ja es ist „echtes“ Euroguthaben, dass bei der xy Bank in Panama seit 15 Jahren liegt oder das in Frankfurt / Paris / Dubai liegt.
    Man sieht es ja eigentlich gar nichts, es sind ja letztlich Nullen und Einsen in einem Computer. Wenn man den abklemmt, dann wäre ja das Geld im Ausland weg. Also muss es ja irgendeinen Nachweis geben (damit ist nicht der Überweisungsbeleg gemeint)

    Ich finde das eigentlich einen ganz banalen Sachverhalt und die Frage kann mir trotzdem niemand beantworten, was ich fast schon beängstigend finde. Ich habe das mal am Bankschalter nachgefragt, der hat mich nur dumm angeschaut, dann mit einem "TopTrader" gesprochen, keine Ahnung, aber selbst in den google-Expertenforen finde ich keine gute Antwort, weshalb ich mein Glück hier versuche.
    Das kann doch nicht sein, dass das niemand erklären/beantworten kann ? Wie wird die Existenz von Giralgeld belegt/bewiesen/verifiziert ?

    Jetzt bin ich auf die Schwarminteligenz gespannt.... !
    Danke !

  2. Avatar von utopus
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    Standard AW: Banale aber wichtige Frage die bisher keiner beantworten konnte

    Die Banken können ja auch Giralgeld "schöpfen" - wenn sie dir einen Kredit geben,
    wird quasi Geld erschaffen und dir überwiesen - du musst dann aber mit den Raten das neue Geld zurückzahlen ...

  3. Avatar von Cici
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    Standard AW: Banale aber wichtige Frage die bisher keiner beantworten konnte

    Zitat Zitat von schmitti
    Wie wird die tatsächliche Existenz von Giralguthaben nachgewiesen?
    Banken bezahlen sich untereinander nicht mit Giralgeld, sondern mit Zentralbankgeld. Ob eine Bank genug Giralgeld besitzt, ist daher irrelevant. Transaktionen mit Giralgeld finden nur innerhalb einer Bank (eventuell auch innerhalb eines Bankenverbundes) statt. Für die Abwicklung von bankenübergreifenden Transaktionen gibt es dann verschiedene Clearing- bzw. Settlement-Systeme, die die Transaktionen ausführen.

    Deutsche Geschäftsbanken unterhalten z.B. Konten bei der Bundesbank. Weist eine Bank eine Transaktion an eine andere Bank an, wird das Guthaben in Form von Zentralbankgeld auf den entsprechenden Konten der Bundesbank umgebucht. Die überweisende Bank kann somit also nicht schummeln, da die Bundesbank die Kontrolle über die Guthaben auf ihren Konten hat. Problematisch kann eine zu hohe Menge an Giralgeld im Vergleich zum Zentralbankgeld allerdings für die Geschäftsbank selbst werden. Ist die Bank nicht mehr in der Lage, Zentralbankgeld bei ausgehenden Transaktionen auszuzahlen, müsste sie die Auszahlungen ab einem gewissen Punkt beschränken bzw. ganz einstellen, um nicht ihren vorgeschriebenen Eigenkapitalpuffer aufzubrauchen. Kunden, die dann noch an ihr Geld wollten, würden leer ausgehen, obwohl ihr Konto noch ein Giralguthaben ausweisen würde.

    Das Clearing zwischen Banken verschiedener Staaten funktioniert ähnlich, nur sind hier unterschiedliche Clearing-/Settlement-System beteiligt. Im Eurosystem gibt es z.B. TARGET II der EZB, über das alle Zentralbanken der Euromitgliedsstaaten ihre Transaktionen abwickeln. TARGET II besitzt allerdings die kuriose Eigenschaft, dass Banken mehr Geld an andere Banken überweisen können, als sie in Form von Zentralbankgeld auf den EZB-Konten halten. In diesem Fall gewährt die EZB einen unbefristeten und unverzinsten Kredit. Die Konstrukteure dieses System sind optimistischerweise davon ausgegangen, dass sich Ungleichgewichte im Laufe der Zeit immer wieder ausgleichen werden. Seit der Finanzkrise funktioniert dieses Ausgleichssystem aber nicht mehr, was zu immer größer werdenden TARGET-II-Salden geführt hat. Ausländische Eurobanken "schulden" der Deutschen Bundesbank mittlerweile mehr als eine Billion Euro.

    Welche Settlement-Stelle für das konkrete Beispiel Deutschland - Schweiz verantwortlich ist, kann ich Dir leider nicht sagen. Es gibt dabei aber immer eine überwachende Stelle, die den Zahlungsausgleich auf den entsprechenden Konten nur ausführt, wenn die Konten gedeckt sind oder sobald Zahlungen real eingegangen sind. Nach Abschluss des Settlements ist die Transaktion auch nicht mehr rückgängig zu machen, was "Geplatzte-Scheck-Szenarien" auf dieser Ebene ausschließt.

  4. Avatar von schmitti
    schmitti ist offline
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    Standard AW: Banale aber wichtige Frage die bisher keiner beantworten konnte

    Das ist eine ganz wunderbare, nützliche Antwort !!!, fast schon ein Artikel.

    Banken bezahlen sich untereinander nicht mit Giralgeld, sondern mit Zentralbankgeld
    > Ah, so funktioniert das. So wird das kontrolliert. Dass heißt aber umgekehrt auch, dass die Banken eigentlich zu 100% an der EZB hängen.

    Die überweisende Bank kann somit also nicht schummeln
    > Darum ging es - Merci !

    Ganz gut finde ich auch den Hinweis auf Target2, da schliesst sich der Kreis.
    Das ist eine prima Antwort. Vielen Dank
    Die google-Stichworte sind demnach Clearing und Settlement, das hat mir gefehlt. Dazu kommt auch "Eigenkapitalpuffer", dass schaue ich mir jetzt an.

    Also im Grunde genommen, das was die Banken mit dem Kunden machen sieht man bei der EZB nicht so direkt. Allerdings weiss die EZB wieviel Geld sie der Bank ausgeliehen hat (per Geldschöpfung) und die Bank hat ein Konto bei der EZB, was auch das „über Nacht parken“ erklären würde. Die Banken überweisen nicht direkt, sondern machen das über die EZB, die die Konten dann entsprechend aktualisiert, das macht Sinn und verhindert schummeln.

    Mir kam gerade noch ein weiterer Gedanke. Mit einem digitalen EZB-Euro werden wahrscheinlich die Banken erledigt, die gerade ohnehin durch Negativzinsen immer weniger verdienen. Hierzu passt das direkte, digitale Zentralbankkonto für den Endkunden/Bürger. "Wenn ich auf der Bank keine Zinsen kriege, kann ich es eh gleich der EZB geben“, oder „ist auch sicherer, die Bank kann Pleite gehen, die EZB nicht“. Die Bürger werden das machen, die Banken sind dann weg und dann ist folgendes passiert:
    …. die totale, umfassende Kontrolle und Macht einer Einzelperson/Institution über ganz Europa.- Gruselig.

    Aber nochmals, vielen Dank für die sehr gute und ausführliche Antwort ! Eine Perle als Beitrag.

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