Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

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  1. Avatar von Goldmark
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    Standard Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

    Nur mal eine allgemeine Frage an die Experten hier:

    Generell sprach man ja früher vom sog. allgemeinen Zinsniveau. Einfach gesagt: Bei einem eher hohen Zinsniveau waren für Baudarlehen (und auch sonstige Kredite) tendenziell eben eher hohe Zinsen zu zahlen und Sparer/Anleger konnten sozusagen als Kehrseite der Medaille dann auch eher hohe Zinsen auf Einlagen bzw. Guthaben erwarten. Bei einem niedrigeren Zinsniveau galt dasselbe, nur eben umgekehrt. So weit, so gut.

    Seit einiger Zeit scheint es aber kein allgemeines Zinsniveau mehr zu geben: In praxi laufen nämlich die (weiterhin nicht vorhanden) Zinsen für Einlagen bzw. Guthaben und die (stark steigenden um nicht zu sagen explodierenden) Zinsen für Immobilienkredite völlig auseinander: Während immer mehr Banken längst Null Prozent Zins für Einlagen etabliert haben und auch immer mehr Banken versuchen sogar Negativzinsen durchzusetzen (etwas vornehmer formuliert sog. "Verwahrentgelte" - parken Banken bei der ECB Geld wird dafür auch ein Negativzins von minus 0,5 Prozent fällig)) sind auf der "Kehrseite der Zinsmedaille" die Zinsen für Immobilienkredite drastisch angestiegen - (Beispiel: Eine Bekannte hatte im 3. Quartal 2020 eine Kondition von 0,55% erhalten (bei 10jähriger Zinsfestschreibung) - die exakt gleiche Bank (genossenschaftlicher Bereich) verlangt nun bei identischer Zinsbindungsfrist und auch ansonsten identischen Rahmenbedingungen (Realkreditbereich) bereits 2,42%. Tendenz wohl weiter steigend: Nach Meinung diverser Fachleute (z. B. FMH usw.) könnte auch bald bei Immobilienkrediten eine Drei vor dem Komma auftauchen

    Mich würde interessieren, ob das quasi unbegrenzt so weiter auseinanderlaufen kann, also keine Zinsen (oder sogar Negativzins) für Einlagen während die Bauzinsen immer weiter steigen.

    Das interessiert mich zum einen vom theoretischen Hintergrund her (wie ist dieses signifikante Auseinanderdriften möglich und was sind die Ursachen und Gründe dafür ?) aber auch praktisch: Wer eine oder mehrere Immobilien hat (sei es selbstgenutzt und/oder auch vermietet) muß ja zwingend liquide Rücklagen vorhalten für Reparaturen, Instandhaltungen, Sanierungen, eventuelle Sonderumlagen (WEG), wegen einem Mietausfall- bzw. Leerstandrisiko, für Maklerkosten (bei Vermietung) usw. Wenn es dafür aber einerseits keinerlei Zinsen mehr gibt (der Realzins ist ja schon sehr lange sprich seit dem Jahr 2009 negativ) und damit logischerweise auch keinen Zinses-Zins-Effekt mehr - auf der andere Seite aber die Preise für Rohstoffe, Baumaterialien, Transportkosten (u. a. Kraftstoffe), Handwerker- und Dienstleistungen in dem Bereich sowie auch die Zinskosten für Baufinanzierungen (sei es bei Neuabschluss oder Anschlussfinanzierungen) etc. immer weiter steigen, dann entsteht ja auch da automatisch eine erhebliche bzw. immer größere Lücke, die für Immobilienbesitzer (auch Wohneigentümer-Gemeinschaften) irgendwann zum Problem werden könnte. Erst recht vor dem Hintergrund der wohl sich noch weiter verschärfenden gesetzlichen Auflagen auch in diesem Bereich (Stichworte: Klimaschutz, Energieeffizienz usw. auch beim Thema "Wohnen und Wohnungsbestand").

    Über konkrete Antworten aber auch Gedanken zu diesem Thema würde ich mich freuen.

  2. Avatar von tneub
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    Standard AW: Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

    Zitat Zitat von StGe1973
    tneub,

    viele Unternehmen (nicht alle) haben 2 Probleme: Steigende Kosten und geringere Nachfrage. Mit der hohen Inflation werden müssen überlegen, ob sie den Kinobesuch nicht lassen, Einkauf von Kleidung verschieben usw., da sie ihr geld für Benzin, Strom usw. ausgeben müssen.
    Da bin ich mir noch gar nicht so sicher, wo die Reise hingeht.
    Du hast sicher viele, die mit jedem € rechnen müssen. Natürlich sind dort erstmal die Grundbedürfnisse das wichtigste, bevor der Kinobesuch ansteht. Die Frage ist, welchen Anteil die am Gesamtkonsum ausmachen. Im Gegenzug ist aber auch extrem viel Geld im Umlauf. Bei denjenigen, die mehr haben, dürfte eher die Tendenz da sein, das Geld zu verkonsumieren oder zu investieren, bevor es weniger wert wird.

    Im Übrigen sind nur 1/5 der Arbeitnehmer in Gewerkschaften Mitglied. Ich denke bei einem Großteil der anderen Arbeitnehmer dürfte das Thema Inflation und Gehaltsanpassung beim nächsten Personalgespräch ein Thema sein. Personal wird momentan an vielen Ecken gesucht, da dürfte der ein oder andere Arbeitgeber dabei sein, der mehr zahlt, weil er dringend auf Personal angewiesen ist.
    Da ist auch das Thema Kurzarbeit sehr nachteilig. Die einen Unternehmen haben Personal, was momentan nicht beschäftigt werden kann und vom Staat bezuschusst wird, auf der anderen Seite wird es bei anderen Unternehmen dringend benötigt und treibt die Personalkosten hoch.

  3. Avatar von Goldmark
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    Standard AW: Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

    Zitat Zitat von tneub
    ... deswegen wäre es doch eine Fehlberatung eines Vermittlers, wenn man der Verallgemeinerung von Goldmark gefolgt wäre und nur langfristige Verträge als das einzig Wahre definieren würde.
    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

    Gegen eine solche von Dir unterstellte "Verallgemeinerung" im Sinne von nur "langfristige Verträge als das einzig Wahre" zu definieren, wehre ich mich entschieden. Wie ich in meinen Beiträgen (siehe Nr. 26 und Nr. 30 dort Abs. 1) geschrieben habe und was dort nachgelesen werden kann (wenn man denn des Lesens mächtig ist ...), bezog ich mich explizit auf den typischen "Otto Normalverbraucher" und/oder den typischen "Eigennutzer" (und beispielsweise nicht auf den Kapitalanleger/Vermieter, bei dem steuerliche Aspekte ein große Rolle spielen (Absetzbarkeit der Schuldzinsen) und der in aller Regel bzw. zumindest sehr häufig über eine andere Vermögenssituation verfügt. Außerdem erfolgte die Aussage zudem bezogen auf meine temporäre selbst gesetzte Referenz des Tiefzinsniveaus im Jahre 2020 (wo Konditionen um die 0,5% zu den Usancen gehörten - wenn die Rahmenbedingungen auch ansonsten stimmten - was den Kreditnehmer und die Immobilie betrifft).

    Wenn ich schon zitiert bzw. erwähnt werde, dann bitte korrekt und nicht völlig sinnverfälschend.

    So viel Zeit für diese Richtigstellung mußte sein.

    In diesem Sinne ...

  4. Avatar von StGe1973
    StGe1973 ist offline

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    Standard AW: Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

    tneub,

    zumindest in der Vergangenheit haben große Vermögen ihr Konsumverhalten in Zeiten hoher Inflation nicht verändert. Der Grund war immer, dass diese von der Inflation eigentlich nicht betroffen sind bzw. Vermögenswerte besitzen, die mit der Inflation aufwerten und somit die Inflation ausgleichen. Vielleicht ist es dieses Mal anders, ich glaube aber nicht.

    Natürlich wird es immer von Branche zu Branche unterschiedlich sein. Aber grundsätzlich werden wir dieses Jahr entweder mit Glück an einer Rezession verbei schrammen oder ein minimales Wachstum haben, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Dagegen sind die Unternehmen aber ebenso wie die Privatpersonen von der hohen Inflation mit steigenden Kosten betroffen.

    In diesem Umfeld die Lohnkosten dazu um 7% erhöhen, wenn man mal von einer Durchschnittsinflation von 6% und Produktivitätszuwachs von 1% ausgeht? Halte ich zumindest flächendeckend für nicht möglich, aber wir werden sehen, was dann wirklich passiert.

    Denn das 1. Interesse eines Unternehmers ist nicht seine Mitarbeiter zu bezahlen, sondern dass sein Unternehmen weiter existieren kann...

  5. Avatar von tneub
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    Standard AW: Wie weit können Bauzinsen und Sparzinsen noch auseinander laufen ?

    Zitat Zitat von StGe1973
    Denn das 1. Interesse eines Unternehmers ist nicht seine Mitarbeiter zu bezahlen, sondern dass sein Unternehmen weiter existieren kann...
    Das ist erstmal richtig. Schwierig wird es, wenn genügend Mitarbeiter gehen. Dann ist das Unternehmen teilweise höher gefährdet, als wenn paar € mehr Gehalt gezahlt werden und das versucht wird, auf den Kunden umzulegen. Wir hatten das letztes Jahr in der Abteilung, als fast 50% der Leute in der zentralen Verwaltung aus ganz unterschiedlichen Gründen Gleichzig gegangen sind. Das war für den Unternehmensverbund existenzbedrohend.
    Es müssen ja auch nicht gleich 7% Gehaltssteigerung sein. Aber selbst 4-5% Gehaltssteigerung und dazu der neue Mindestlohn dürfte zu einer "Art" 2. Welle an Inflation führen. Das Ganze dann vielleicht nochmal zu einer 3. Welle bis sich das irgendwann wieder einniveliert hat.

    Als Immobilieneigentümer natürlich ideal, weil die Annuität als Teil der Ausgaben konstant bleibt und selbst bei Gehaltserhöhungen unterhalb der Inflation nicht unbedingt weniger Geld verfügbar ist. Für jemanden der mit jedem € rechnen muß natürlich katastrophal.

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