Ich habe Wertschriftendepots im Wert von CHF 447k (Anhänge), 1,2Mio Immobilien und CHF 140K Cash. In den Medien kursieren Warnungen eines bevorstehenden Crash des Aktienmarkts. Ich erwog, die Wertschriften abzusichern. Eine KI rät mir davon ab, da mein Vermögen genug diversifiziert sei und ich nur Geld verlöre, wenn der Crash nicht eintritt.
Ob ein Aktiencrash bevorsteht oder nicht, kann keiner genau sagen.
Es ist (nach meiner Laiensicht) extrem viel Geld im Markt. Ob das allein zum Crash reicht, weiß ich nicht. Außerdem wird KI sehr hoch bewertet. Erreicht die KI das, was von ihr erwartet wird, gibt es keine Probleme. Kann die KI dagegen nicht zu einer enormen Steigerung der Produktivität führen, wird die Blase irgendwann platzen.
Hier sehe ich eher das Problem, dass Steigerung der Produktivität im ersten Step zwar stattfindet, aber die "freien Ressourcen" dazu führen, dass andere Themen plötzlich zusätzlich aufgegriffen werden und somit der Einspareffekt dahin ist.
Als Beispiel:
Ich bin seit 30 Jahren in der Buchhaltung tätig. Die hat sich in den ganzen Jahren massiv verändert und wird sich durch KI nochmal deutlich verändern. Es wurden immer mehr Prozesse automatisiert und hätte eigentlich dazu führen müssen, dass deutlich weniger Buchhalter benötigt werden. Da aber immer mehr ausgewertet werden kann, führt das zu Gesetzesanpassungen, zusätzlichen Statistischen Meldungen, mehr Kennzahlenauswertungen im Controlling, das führt wiederum zu zusätzlichen Arbeiten in der Buchhaltung, um genauer zu sein bzw. um die Gesetze einzuhalten.
Ähnliches habe ich auch schon in mehreren Finanz-Podcasts gehört. KI fasst die Texte zwar zusammen und wertet aus. Die Zeitersparnis daraus führt das aber eher dazu, dass mehr Quellen ausgewertet werden, statt Freizeit zu haben.
Was allerdings immer wieder zu erkennen ist, dass die Erholung nach einem Crash in der letzten Zeit immer recht schnell erfolgte. Mit Ausnahme von Japan in den 90ger bis 2000er wurden nach den letzten Krisen immer recht schnell wieder neue Höchststände an den Börsen vermeldet. Gerade in den letzten Jahren (z.B. Corona) war das häufig sogar getrieben von Privatanlegern, die entgegen der institutionellen Anlegern nicht ausgestiegen sind, sondern die fallenden Kurse zum Einsteigen genutzt haben und somit einen schnellen Turnaround hingelegt haben.
Schaut man sich das Rendite-Dreieck vom Dax an, sieht man dass in der Vergangenheit es nach einem Investitionszeitraum von 15 Jahren nie und nach 10 Jahren nur sehr selten eine negative Rendite gegeben hat. Aus diesem Grund wird generell eine Investitionszeit von 10-15 Jahren empfohlen. Deswegen auch der Hinweis der KI.
Wer dagegen aus Angst aus dem Markt aussteigt verliert auch schnell viel Rendite, weil der Crash noch lange nicht eintritt und hat dann auch das Problem des richtigen Zeitpunkts für den Einstieg.
Eventuell kann man aus meinen Zeilen herauslesen, wie ich das handhaben würde. Eine Anlageempfehlung für dich stellt das natürlich nicht dar.
PS: Deine genaue Zusammensetzung des Depots habe ich nicht analysiert.
Ob ein Aktiencrash unmittelbar bevorsteht, kann niemand seriös vorhersagen. Aufgrund historischer Bewertungsmaßstäbe und der starken Kursanstiege der vergangenen Jahre erscheint das Rückschlagpotenzial derzeit jedoch deutlich erhöht.
Ein Warnsignal sind die teilweise sehr hohen Bewertungen, insbesondere am US-Aktienmarkt. Das Shiller-CAPE (Cyclically Adjusted Price-Earnings Ratio) des S&P 500 (KGV) bewegt sich auf einem Niveau, das historisch nur selten erreicht und im Wesentlichen lediglich während der Dotcom-Blase überschritten wurde. Gleichzeitig hängt die Entwicklung vieler großer Aktienindizes stark von einigen wenigen Technologie- und KI-Unternehmen ab.
Auch der außergewöhnlich hohe Liquiditätsbestand von Berkshire Hathaway ist bemerkenswert. Das Unternehmen hielt Ende des ersten Quartals 2026 rund 397 Milliarden US-Dollar in liquiden Mitteln und kurzfristigen US-Staatsanleihen. Daraus lässt sich zwar nicht ableiten, dass Warren Buffett einen unmittelbar bevorstehenden Crash erwartet. Es zeigt aber, dass Berkshire derzeit nur wenige ausreichend attraktive Kaufgelegenheiten sieht und lieber auf bessere Einstiegsmöglichkeiten wartet.
Hinzu kommen die Diskussionen über eine mögliche KI-Blase. Seit Ende 2022 haben KI-bezogene Unternehmen enorme Kurs- und Bewertungszuwächse erzielt. Anders als während der Dotcom-Blase handelt es sich heute allerdings vielfach um hochprofitable Unternehmen. Das spricht gegen einen einfachen Vergleich mit dem Jahr 2000, beseitigt das Bewertungsrisiko aber nicht. Die heutigen Kurse setzen voraus, dass sich die hohen Investitionen in KI tatsächlich in entsprechend starken zukünftigen Gewinnen niederschlagen.
Wie schnell sich die Stimmung ändern kann, zeigte zuletzt Südkorea. Der KOSPI verlor innerhalb weniger Wochen nahezu 40 Prozent gegenüber seinem Höchststand. Der Rückgang wurde durch gehebelte Anlageprodukte, kreditfinanzierte Spekulationen und den Ausverkauf großer Halbleiterwerte verstärkt. Trotz dieses Einbruchs lag der Index allerdings weiterhin deutlich über seinem Stand zu Jahresbeginn.
Hohe Bewertungen und steile langfristige Kursverläufe bedeuten daher nicht zwangsläufig, dass der Crash unmittelbar bevorsteht. Sie erhöhen aber die Empfindlichkeit der Märkte gegenüber enttäuschenden Unternehmenszahlen, steigenden Zinsen, geopolitischen Ereignissen oder einer Veränderung der Anlegerstimmung.
Mein Fazit lautet deshalb: Das Risiko einer größeren Korrektur ist aus meiner Sicht derzeit überdurchschnittlich hoch. Ob daraus ein echter Crash entsteht, wann eine solche Bewegung beginnt und von welchem Kursniveau aus sie erfolgt, lässt sich jedoch nicht zuverlässig bestimmen. Märkte können trotz hoher Bewertungen noch längere Zeit weiter steigen.